Am Anfang war das Wort


Der vietnamesische Markt

28.10.2014 - Ohne zu bezahlen fährt man leer dahin und kommt voll beladen zurück...wie das geht!

„Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen, euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?“ (Mt 6,26)

Diese Bibelstelle drückt wahrscheinlich am besten aus, wie man an einen Markt fahren kann und dann vollbeladen wieder zurückkehrt, das Ganze ohne zu bezahlen. Ganz genau ich spreche von jener gläubigen Haltung, wo man vertraut, dass Gott für uns sorgen wird. In der Kirche spricht man von der Vorsehung Gottes. Wir alle sind eingeladen von der Vorsehung Gottes zu leben, ihm also immer in kindlichem Vertrauen alles darzubringen und darauf zu hoffen, dass er für unsere Bedürfnisse aufkommen wird. Dieses Sorgetragen Gottes für jeden einzelnen von uns begrenzt sich nicht, wie von vielen angenommen, auf die spirituellen Bedürfnisse. Ganz im Gegenteil, ich bin davon überzeugt und kann seit meinen Erfahrungen hier auf dem vietnamesischen Markt noch stärker dafür Zeugnis geben: Gott sorgt sich auch darum, dass wir materiell das Nötige haben.
Eine Einladung also, zurückzulehnen und einfach von den andern zu leben? Natürlich nicht, denn „wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ (2 Thess 3,10). Wir Brüder und Schwestern arbeiten sehr viel für die Armen und Waisen hier im Vietnam. Die Leute wissen dies und wollen uns deshalb unterstützen. Wie ihr auf den Fotos und in den Filmen sehen könnt, sind sie echt glücklich uns etwas geben zu können. Für sie ist es eine Ehre, Brüdern und Schwestern helfen zu können und sie wissen, dass ihr Gabe ein kleines Mosaiksteinchen ist, welches mit vielen anderen das schöne Bild der Kirche mitbestimmt.

Das wünsche ich uns allen, dass wir so ein Mosaiksteinchen in der Welt sein können, gerade dort wo wir uns befinden. Vielleicht sagst du jetzt: „Ja toll, würd’s ja gern sein. Aber ich bin halt in Europa? Da haben ja alle schon was es braucht!“ Nun, dazu möchte ich mit einem Satz der Mutter Teresa abschliessen, welchen mich vor einigen Jahren echt wachgerüttelt hat: „Im Westen gibt es eine Einsamkeit, die ich die Lepra des Westens nenne. Sie ist in vielerlei schlimmer als unsere Armut in Kalkutta.“
Geh raus begegne einem Einsamen und erzähle ihm von Gott. Wie sehr kannst du so Licht in der Welt werden! Vielleicht können wir ein wenig dazu beitragen, dass weniger Menschen sagen müssen: „Ich habe keinen Menschen, der mir hilft!“ (vgl. die Geschichte vom Kranken in Betesda: Joh 5,2-9)

PAX+
Br. Andreas cb

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