Am Anfang war das Wort


Die Welt

08.02.2015 - Wir wohnen auf ihr, wir können nicht leben ohne sie, Ort der Arbeit und der Freizeit, Ort des Lebens und des Sterbens: Die Welt. So vertraut und doch...

Ich machs ganz kurz: Ich habe echt gedacht, dass ich die Welt kenne. Umso mehr, als dass ich vor dem Eintritt in die Gemeinschaft der Seligpreisungen, vor jetzt mehr als 5 Jahren, in Zürich Geographie studiert hatte. Irgendwie scheint man dann an einen Punkt angekommen, wo man sich bequem zurücklehnt und zu sich selber sagt: Ok, jetzt weisst du alles! Du kennst die Welt.

Wie gut tat es und tut es mir da, jeden neuen Tag im Vietnam eine solch andere Welt zu erfahren. Natürlich leben wir – Vietnamesen und Europäer – auf derselben Erde, geographisch gesprochen. Kulturell, sprachlich und philosophisch gesehen sind wir allerdings echt von zwei Planeten. Manchmal ist’s schwierig, manchmal lustig, manchmal erstaunlich, immer aber eine Herausforderung über seinen eigenen Horizont herauszuwachsen und einfach das Beste von sich selber zu geben. Letztlich führt es auch dazu, dass man vieles gelassener nehmen kann.

Vor kurzem hat mir ein Kind vom Waisenheim gesagt: „Wenn du nach Europa zurück gehen wirst, werde ich weinen müssen.“ Diese Worte haben mich sehr berührt und ich habe zu mir selber gesagt: auch wenn wir scheinbar von zwei verschiedenen Welten kommen, so sind wir eben doch eine grosse Familie: Wir werden uns vermissen. Jeder Mensch stammt letztlich von einem aller Vater ab, von „unserem Vater im Himmel“ (vgl. Mt 6,9). Auch wenn wir – dieses Waisenkind und ich – in einigen Monaten weit voneinander entfernt leben werden, so werde ich weiterhin für dieses Kind beten und es dem Vater im Himmel anempfehlen. Er weiss, was das Beste ist für jeden einzelnen von uns.
Dazu lade ich euch heute ein: Betet für jene, die ihr besonders ins Herz geschlossen habt und für all jene, die es am meisten brauchen. Nur das Gebet kann die Welt, die objektiv betrachtet eben doch sehr verschieden und komplex ist, allmählich eins werden lassen. Das ist das Ziel des geweihten Lebens und des christlichen Lebens überhaupt: Sich selber abzusterben, um Christus immer mehr Raum zu geben. Ut unum sint*, damit sie eins seien!

PAX+
Br. Andreas cb

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* Papst Johannes Paul II hat im Jahre 1995 eine Enzyklika zur Einheit der Christen verfasst. Der Titel der Enzyklika, Ut unum sint, ist dem Johannesevangelium (Joh 17,11) entnommen.

Die Arbeit im Vietnam ist anders als bei uns...alles wird immer gemeinsam gemacht. Auch ausgeruht!
Die Differenz bei den Betten muss ich wohl nicht kommentieren ;-)

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