Am Anfang war das Wort


Heute vor 13 Jahren...

29.06.2015 - hat sich mein Leben innerhalb von einigen Sekunden schlagartig für immer verändert.

Bei einigen Dingen im Leben gibt es ein davor und ein danach. In einigen Tagen werde ich den Vietnam verlassen, um nach einer kurzen Zeit in der Schweiz nach Toulouse aufzubrechen und dort das 3jährige Theologiestudium in Angriff zu nehmen. Auch hier gilt die Einteilung. Vor meinem Jahr im Vietnam war ich ein anderer als danach. Ich bin dem Herrn dankbar, für alles was er mich erleben liess. All die vielen Kinder, welche mir in Erinnerung bleiben werden, die Verschiedenheit der Kultur und der Sprache, das Essen...

Ich habe mir überlegt, wie ich meinen Blog zum Vietnam abschliessen könnte. Sollte ich einfach ein paar klassische Fragen beantworten, oder vielleicht doch eher viele Bilder mit schöner Musik präsentieren? Nun, ich habe mich für etwas ganz anderes entschieden. Ich glaube, wir sind immer wieder mit Situationen konfrontiert, wo wir wissen, dass sie unser Leben für immer verändern werden. Ich bete dafür, dass solche Ereignisse, manchmal menschlich gesehen auch sehr schwierige, uns weiterführen auf dem Weg mit Gott. Als Abschluss meines Blogs will ich euch genau dies mitgeben. "Gott schreibt auch auf krummen Wegen gerade", wie man so schön sagt. Zeuge davor wurde ich selber, denn heute vor 13 Jahren passierte etwas, das ich nie vergessen werde. Ich hatte am frühen Morgen zusammen mit meinem grossen Bruder einen schweren Rollerunfall...

Nun beginnen wir aber von vorne: Mit meinen drei Geschwistern verbrachte ich eine glückliche Kindheit, von der ich viele und positive Erinnerungen habe. Mit 12 Jahren sind wir in die Bündner Berge nach Disentis (CH) gezogen, wo ich das Gymnasium im Benediktinerkloster besuchte. Trotz dieser frühen spirituellen Präsenz wollte ich zu dieser Zeit absolut nichts von Gott wissen. Ich suchte mein Glück ausserhalb der Kirche, die für mich eine eingerostete Institution mit alten, drolligen Mitgliedern war. Die Mönche fand ich zwar nett, aber irgendwie unvernünftig. Ich war sehr kritisch und kann mich nachträglich als ein Scientist bezeichnen: Ausserhalb der Wissenschaft gab es für mich keine Wahrheit. Die grundlegendsten Sehnsüchte blieben unbeantwortet, weshalb ich in einem exzessiven Partyleben zwischen 12-16 Jahren dieses Loch mit Spass und Freiheiten zu füllen versuchte.

Mit 16 Jahren kam dann der grosse Einschnitt: Mit meinem älteren Bruder hatte ich einen schweren Rollerunfall: Wir kamen auf die linke Fahrspur und prallten frontal in ein entgegenkommendes Auto. Wir beide wurden schwer verletzt. Ich mag mich sehr gut daran erinnern, dass ich mir unmittelbar nach dem Aufprall auf der Strasse innerlich eine Frage stellte: „Waren die Partys wirklich schon alles? Gibt es nicht einen wirklichen Sinn des Lebens?“ Ich suchte dementsprechend in allen möglichen Richtungen nach einer Antwort.

Die Vorsehung wollte es, dass mich – nach meinem sechswöchigen Spitalaufenthalt – ein guter Freund nach Medjugorje einlud. Vor Ort erklärte mir dieser, dass ich an einem Pilgerort sei, die Leute also zum Beten hierhin kämen. Ich war absolut schockiert und auch ein bisschen wütend auf meinen Freund. Sogleich entschloss ich, mich nicht von seiner christlichen Ideologie vereinnahmen zu lassen. Er überzeugte mich allerdings, dass jeder in Medjugorje mindestens an der Eucharistiefeier teilnimmt. Ich versprach ihm also, abends mit ihm in die Eucharistiefeier zu kommen. Es war eine Messe wie jede andere, und doch sollte mein Leben eine radikale Wende erfahren.

Zurück in der Schweiz begannen sich unglaublich viele Fragen zu Jesus, zur Kirche usw. in mein Gebet zu mischen. Glücklicherweise war ich zu dieser Zeit noch immer im Gymnasium bei den Benediktinern von Disentis, weshalb ich sehr gut und intensiv von einem Benediktinerpater begleitet wurde. Die Mönche hatten die Antworten auf alle meine existentiellen Fragen und waren deshalb für mich neuerdings nicht mehr drollige Mitglieder einer eingerosteten Institution, sondern wie Garanten der Wahrheit.
Ich kann heute zugeben, dass mich das geweihte Leben zu dieser Zeit bereits sehr faszinierte und anzog. Auf die Frage eines Paters allerdings, ob ich nicht vielleicht Mönch werden will, antwortete ich entschlossen mit einem Nein. Ich glaube, ich hatte einfach noch zu viel Respekt vor einem solch grossen Schritt. Ich begann also ein Studium in Geographie und Geologie im Jahr 2006.
Im Moment der Konsekration und der anschliessenden Elevation von Leib und Blut Christi wusste ich innerlich, dass Jesus da ist und dass er mich liebt. Es ist schwierig, diese Sicherheit der Gegenwart Jesu zu beschreiben. Entgegen allen Erwartungen hatte ich in einer katholischen Messe die Antwort auf meine drängendste Frage bekommen: Der Sinn des Lebens ist JESUS! Die Woche in Medjugorje verging viel zu schnell, ich hatte einen riesigen Durst, in der Gegenwart Jesu zu sein.

Nach Abschluss des Studiums trat ich am 1. November 2009, am Fest Allerheiligen, mit viel Freude in die Gemeinschaft der Seligpreisungen ein. Auf die einjähriger Kandidatur folgte das einjährige Postulat. Danach durfte ich in die Nähe von Lourdes aufbrechen, um mein Noviziat in Frankreich zu absolvieren, an dessen Ende ich meine zeitlichen Gelübde ablegte und den Habit empfing. Einige Tage nach den zeitlichen Gelübden wechselte ich von neuem das Haus: In Toulouse studierte ich 2 Jahre Philosophie. Nach meinem jetzigen Praktikumsjahr im Vietnam werde ich wieder nach Toulouse zurückkehren und das Studium der Theologie beginnen....

"Chris­tus, du hast mich geru­fen. Ich spre­che beschei­den und bestimmt: ,Hier bin ich, sende mich‘" (Zitat von Sel. Karl Leisner)

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