Am Anfang war das Wort


Gott kann Esel stoppen

10.02.2015 - Wir haben Angst vor dem Entscheiden. Das Phänomen ist bekannt. Wir scheuen uns, erste Schritte zu tun in entscheidenden Fragen unseres Lebens. An welchen Ort ruft mich Gott? Oder mit welcher Person hat er mein „Lebensprojekt“ für mich parat?

Wenn irgendwann ein Lebensentscheid gelingen soll, braucht es vorher eine Serie von kleinen, guten Schritten, die immer verbindlicher werden. Aber ein erstes Ausprobieren, eine erste Verbindlichkeit, ein erstes kleines „Ja“ kann uns schon viel Überwindung kosten. Oder vielleicht gar nicht zustande kommen. Wieso? Weil wir Angst haben, dass es falsch sein könnte.

Ich bekam in einer solchen Situation einmal einen direkten und etwas frechen Rat eines geistlichen Begleiters, der mir geblieben ist. Auf mein damaliges Zögern, meine Suche und meine Ängstlichkeit erklärte er mir energisch: „Gott kann Esel stoppen!“ Aha. Was für ein Vergleich. Ich war etwas überrascht, irritiert und der Stolz machte sich leicht bemerkbar. Aber recht hatte er. Gemeint ist ein Ereignis der Bibel: Der Seher Bileam wird von einigen Königen zu sich gerufen. Bileam, der offen ist für Gottes Plan, beschliesst, ihnen zu folgen. Und Gott greift sehr konkret ein – der Esel wird gestoppt:

„Der Engel des Herrn stellte sich ihm [Bileam] in den Weg, um ihm Widerstand zu leisten. Er aber ritt auf seiner Eselin in Begleitung von zwei Burschen. Die Eselin aber sah den Engel des Herrn am Wege, der mit gezücktem Schwerte in der Hand dastand. Sie bog vom Weg ab und ging in das Feld. Bileam aber schlug die Eselin, um sie wieder auf den rechten Weg zu bringen […]. Da öffnete der Herr den Mund der Eselin, und sie sagte zu Bileam: „Was habe ich dir getan? Denn schon dreimal hast du mich geschlagen!“ […] Nun öffnete der Herr die Augen des Bileam. Da sah er den Engel des Herrn am Weg stehen.“ (Numeri, 22,22-31)

Konkret, handfest und auch originell wird Bileam gestoppt (es bleibt auch etwas die Frage, wer eigentlich der Esel ist). Das Gute und Tröstliche: Es zeigt, dass Gott ganz real und alltäglich leiten, führen und allenfalls auch stoppen kann. Wenn ich gut versuche, seine Stimme zu erkennen, mit den möglichen Hilfen und dem richtigen Tempo, kann ich danach erste Schritte gehen. Ich kann Gott im Gebet meine Eindrücke und Pläne „erzählen“ und ihn weiter um Führung beten. Wenn es falsch ist, hat er seine Wege, es mir rechtzeitig zu zeigen. Und Esel sind doch letztlich sympathische Tiere.

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