Am Anfang war das Wort


Mutige Schritte tun

01.08.2014 - Grüsse aus den Bergen und Entschuldigung für die lange Schreibpause – unterländische Ablenkungen… Nun vorwärts: Im letzten Herbst schrieb Papst Franziskus "Die Freude des Evangeliums". Darin hat mich diese Passage angesprochen...

"Es ist wahr, dass dieses Vertrauen auf den Unsichtbaren in uns ein gewisses Schwindelgefühl hervorrufen kann: Es ist wie ein Eintauchen in ein Meer, wo wir nicht wissen, was auf uns zu kommen wird. Ich selbst habe das viele Male erlebt. Es gibt aber keine grössere Freiheit, als sich vom Heiligen Geist tragen zu lassen, darauf zu verzichten, alles berechnen und kontrollieren zu wollen, und zu erlauben, dass er uns erleuchtet, uns führt, uns Orientierung gibt und uns treibt, wohin er will. Er weiss gut, was zu jeder Zeit und in jedem Moment notwendig ist. Das heisst, in geheimnisvoller Weise fruchtbar sein!" Papst Franziskus, Evangelii Gaudium, #280

Mir gefällt diese Beschreibung gut. Sie zeigt, dass der Weg mit Gott manchmal ziemlich gewagt erscheinen kann ("Schwindelgefühl", "eintauchen"). Aber er schreibt auch, dass es sich natürlich lohnt ("keine grössere Freiheit", "er weiss gut"). Ich persönlich kann ein wenig nachfühlen von Momenten auf dem Berufungsweg.
"Vertrauen auf den Unsichtbaren" ist der Weg für uns Gläubige. Vertrauen auf Gott. Seinen Willen suchen. Was hat er mit mir vor? Wo geht mein Weg durch? Im Grossen und im Kleinen: es können die Frage der Lebensberufung, der Lebensform sein, oder auch mittel weit reichende Entscheidungen, oder auch "weniger wichtige" und doch wichtige Entscheidungen für den Alltag.

1. Also zuerst einmal suchen: durch Gebet. Durch Gespräche. Durch erfahrene Begleiter auf dem Weg. Durch hinhören auf Gottes Stimme in der Stille. Durch die bewährten christlichen Regeln zur "Unterscheidung der Geister", zur Identifikation SEINER Stimme. Auch mit Geduld.

2. Aber das Hören ist die Hälfte… Dann müssen wir ins Meer eintauchen. Springen. Entscheiden. Schritte tun. Aus der Komfortzone heraus. Es kann Mut brauchen. Und wir könnten versucht sein, lieber beim gemütlichen, doch gar nicht so schlechten sichereren Boden unter den Füssen zu bleiben? Zögern, grübeln, nicht entscheiden… Wieso eine Entscheidung treffen, die Mut braucht?

Dann tritt die obige Ermutigung von Papst Franziskus in Kraft. Und hier noch einige Mutmacher:
- "Die Liebe braucht keine absolute Sicherheit. […] Sie gibt, springt und vertraut. […] Das ist nie auf Sand gebaut." Pfr. M. Kellenberger
- "Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg“ – dann: „Ich werde dich zu einem grossen Volk machen, dich segnen und deinen Namen gross machen" Gen 12,1-2
- Worte von Jesus: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Joh 14,6 | "Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben." Joh 8,12 | "Ich bin gekommen damit sie das Leben haben und es in Fülle haben." Joh 10,10 |"Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird." Joh 15,11
- Ein Blick auf die ersten Jünger: Was für eine blockierende Angst hatten sie, in den Tagen um den Tod von Jesus: Joh 20,19, Mt 26,69-75. Und was für eine Veränderung geschah nach dem späteren Empfang des Heiligen Geistes: Welche Energie, Begeisterung, Freude, Furchtlosigkeit, und Bereitschaft, den Lebensweg mit Christus zu gehen: Apg 4,19, Apg 20,22-24.
- "Fürchtet euch nicht" | "Sei nicht zufrieden mit Mittelmässigkeit" (JPII)
- "Gott gibt hundert zu eins" (Teresa v. Avila)

Dies könnte eine gute Idee sein: Die oben zitierte Passage von Papst Franziskus in nächster Zeit ab und zu mal wieder durchlesen. Damit wir ehrlich, konsequent und mutig entscheiden und das von Gott her Erkannte auch tatsächlich in die Tat umsetzen: ins Meer eintauchen!

Kommentare