Am Anfang war das Wort


Adventsstimmung in der Werkstatt

08.12.2015 - Es war ein Tag wie jeder andere. 17.30 Feierabend. Zug – Bus – Velo – eine warme Suppe und ab in mein Zimmer. Jacke und Rucksack flogen direkt in die Ecke und dann einmal genüsslich aufs kuschelige große Bett liegen. Draußen war es bereits Dunkel und meine kleinen Brüder waren schon fast im Bett. Als ich dann da eine Weile lag, stieg mir plötzlich ein feiner Duft in meine Nase...

... Ich nahm ihn anfangs gar nicht so genau wahr. Erst beim dritten Atemzug wurde mir bewusst – den kenne ich doch. Und dann fiel mir es wieder ein. Wir sind ja bereits wieder in der Adventszeit. Und es wird wieder Lebkuchen und viel anderes gebacken. Oh wie gut das riecht. Mhhhm. Man kann sich nun wieder in jedem Haus auf Guezli in verschiedenster Art und Weise freuen. Ach, so schnell ging dieses Jahr vorbei, fast zu schnell.

Und als ich da so da lag und diesen wunderbaren Geruch förmlich durch die Nase zog, kam mir eines wieder in den Sinn. Unsere Lebkuchenkirche. Mögt Ihr euch noch erinnern? Diese Spinner von Fisherman’s Architecture die mit fast 12 Kilogramm Mehl eine riesige Kirche aus Lebkuchen geplant und realisiert haben. Genau das waren wir. Ich weiß noch genau, wie wir da stundenlang Teig ausgerollt, Stücke zugeschnitten und gebacken haben. Und erst als der Teig alle war, merkten wir, dass uns noch unzählige Teile fehlten. Und das Spiel ging wieder vorn vorne los. Kneten, auswallen, zuschneiden und backen. Aber es war ein riesen Spaß. Anschließend konnten wir dann die einzelnen Stücke nach Elementbauweise „nur noch“ zusammenbauen. Aber bis die Kirche fertig war, ging es doch nochmals fast 5 Stunden. Doch schaut es euch am besten selber an. Hier nochmals der Bau des Fundamentes und der Lebkuchenkirche.

Dazu gibt es noch eine lustige Geschichte: Als wir nach schöner und doch strenger Arbeit mit dem Bau unserer Kirche fertig waren, mussten wir diese noch nach Gossau (St. Gallen) transportieren, wo wir sie nach dem Adoray präsentieren wollten. Ja gut, wir haben die Kirche extra mit einem Holzrahmen statisch verstärkt und vorbildlich eine Tragkonstruktion gebastelt. Dann kam der Augenblick. Kofferraum auf, Sitze runter und vorsichtig die Kirche anheben. Diese hatte ein ganz schön überraschendes Gewicht, aber es ging gut. Als wir dann den vorderen Teil bereits im Auto hatten, wie konnte es auch anders sein, passierte es! Mit einem sanften Rums brach der vordere Teil der durch die Anhebung auf die runtergeklappten Sitze leicht oben lag, auf den Rest der Kirche. Dieser Teil gab unter dem Druck der aufliegenden Wände ziemlich schnell nach und fiel ebenfalls auseinander. Baam, und von dieser aufgebauten guten Stimmung waren nur noch die leeren Sektgläser zu sehen. Ein kleiner Trost gab es aber doch noch, auch wenn nur ein kleiner. Der Turm stand nämlich noch.

Ja, was nun. Irgendwann muss die „Kirche“ ja doch nach Gossau. Wir haben also kurzerhand den Rest eingeladen und sind los gefahren. Nach der dritten Kurve wurde uns dann noch der letzte Trost geraubt und der Turm fiel in sich zusammen. Gegen 23.00 Uhr standen wir dann in der Mensa. Tiefliegende Stimmung, eine zerfallene Lebkuchenkirche, kein Bier und dazu noch zu wenig Puderzucker um den Weißen „Mörtel“ herzustellen. Es gab also genau zwei Möglichkeiten, die wir hatten. Entweder wir arbeiten in die Nacht hinein oder gar hindurch (es war ja nicht so als wenn wir nicht schon zu wenig Schlaf gehabt hätten) oder wir präsentieren einfach eine kaputte Kirche und gehen schlafen. Doch auch wenn wir nichts lieber als ins warme, weiche Bett gegangen wären, würden wir nie zulassen, eine kaputte Kirche zur Schau zu stellen. Also, los ging‘s, die Musik, The Killers, vom Laptop auf volle Lautstärke und wir begannen die Stücke wieder auseinander zu nehmen um sie wieder Stück für Stück zusammen zu bauen. Und das trotz eines Mangels an Puderzucker. Nach langer Zeit stand sie wieder. Endlich. Die schöne Lebkuchenkirche. Und da wurde es uns schlagartig bewusst. Es musste so kommen. Das war nicht einfach nur Pech, sondern „Bestimmung“. Denn wir haben uns ja nach dem Auftrag von Gott an den Hl. Franziskus gerichtet. Als Franziskus nämlich in einer verfallenen Kirche betete sprach Gott zu Ihm: „Siehst du nicht, dass mein Haus in Verfall gerät? Geh also hin und stell es wieder her“. Es wäre also nur eine billige Version von Franziskus gewesen, wenn wir einfach eine Kirche gebaut hätten, und sie nicht zusammen wäre. So können wir heute nun mit Stolz erzählen, dass auch wir den Auftrag an den Hl. Franziskus vollends ernst genommen haben.

Am nächsten Tag kamen wir dann auf folgende Erkenntnis, wenn wir nur eine Nacht mit dem Transport gewartet hätten, wäre die Puderzuckermasse nämlich steinhart geworden und die Kirche wäre nicht so schnell zusammen gefallen. Aber wie gesagt, auch wir durften eine verfallene Kirche wieder herstellen.

In diesem Falle wünschen wir euch eine wunderschöne Adventszeit, backt fleißig Lebkuchen oder Sonstiges und wartet mit dem Transport eures Lebkuchenkunststückes.
Liebe Grüße aus der Düsentrieb-Werkstatt.

Hier das Rezept

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