Am Anfang war das Wort


Viel Lärm um nichts.

27.04.2016 - Schuhe montiert, Rucksack auf und Los geht’s. Komm mit auf die kleine Reise durch eine Woche des Wandern.

Sonntag 21:30 Uhr. Ich stehe topmotiviert in meinem Zimmer und betrachte die vor mir liegenden Rucksäcke. Morgen ist es soweit.
Ich werde mich an ein Abenteuer wagen, auf das ich mich jetzt schon seit fast 2 Wochen freue. Nach der letzten Kontrolle ob auch ja alles dabei ist was ich brauche, lege ich mich zufrieden und mit Vorfreude ins Bett. Stelle noch kurz den Wecker auf 4:15 Uhr, da ich gegen 04:30 loslaufen muss, damit ich es rechtzeitig ins Büro nach Wattwil schaffe.

Langsam öffne ich meine Augen. Draussen ist es stockdunkel. Ich strecke mich nochmals in alle verschiedenen Richtungen und war ich bereits ein wenig Stolz auf Mich. Denn aufstehen, und das so in aller Frühe, ist echt nicht mein Ding. Ich streckte meine Hand aus und legte mir meine Brille auf. Damit ich auf der Uhr auch erkennen kann wie viel Zeit ich noch im Bett geniessen darf. Und von einem Schlag auf den anderen war meine Freude und Motivation vorbei. „Das gibt’s doch Nicht!“, höre ich ich mich selber im gereiztem Ton von mir geben. „Nicht schon am ersten Tag!“. Ich habe doch tatsächlich toootal verschlafen. Suuper Adrian. Echt gut gemacht!
Tja, das war’s dann wohl. Ich schaffe das niemals pünktlich zur Arbeit. In dieser Zeit erreiche ich zu Fuss gerade noch den Bus in Magdenau, von wo ich dann den gewohnten Weg zur Arbeit fahren kann. Ja Gut. Zähne putzen, anziehen, Rucksack auf, Regenmantel drüber und schon sehe ich das Licht vom Vorplatz im Hintergrund verschwinden. Langsam wird es Morgen und man kann durch den Neben immer mehr erkennen. Nebenbei prasselt der Regen vom Himmel und begrüsst mich freundlich in der neuen Woche.

Nach dem ersten Arbeitstag habe ich keine grosse Etappe vor mir. Ich habe mich nämlich in Stefan’s Zimmer eingemietet, dessen Familie nicht weit von meinem Arbeitsplatz entfernt ihr Zuhause hat. Ein nicht wirklich guter Start in meine Woche. Der einzige Trost fand ich im Wetterbericht. Der zeigte nämlich für den Rest der Woche Sonne und warmes Wetter an. So legte ich mich mit deutlich weniger Freude wie am Vorabend ins Bett, aber doch nicht ganz demotiviert.

So nahm meine Woche ihren Lauf, und ich muss zugeben; Ich konnte meine Worte nicht wirklich einhalten. Schon am zweiten Tag war ich wieder spät unterwegs und konnte glücklicherweise durch eine Metallkutsche pünktlich zur Arbeit erscheinen. Aber ihr versteht, solche Sachen sind nicht gerade motivationsfördern. Und so verging mir langsam die Freude am laufen. Und wenn ich bedenke, dass ich vor Begin dieser Woche mich besonders auf den Marsch zur Schule freute, welcher etwa 7 Stunden gedauert hätte, ist mir das schon fast peinlich. Denn nur eine solche Reise sah ich damals als eine mir gewachsene Herausforderung. „Denn jeder kann doch 3 Stunden zur Arbeit laufen, das ist ja Nichts!“ So waren meine Worte, als ich jemanden von dieser Idee erzählte.
Schlussendlich lief ich nicht einmal diese “ wenigen 4 Stunden“ zur Arbeit. Grosse Worte und doch nichts dahinter.

Die Zeit verging wie im Flug und schon stand der Freitag vor der Tür. Und ich wusste was mir blühte. Da ich schon den Hinweg nicht zu Fuss meistern konnte, wollte es mein Stolz echt nicht zulassen dass ich auch beim Rückweg kneife. Das Wetter war perfekt, so plagte ich mich den ganzen Tag mit dieser Entscheidung. „Adrian, bis du Zuhause bist, ist es schon lange dunkel!“. Mit dieser einfachen und billigen Ausrede überzeugte mich schlussendlich mein innerer Schweinehund und ich genoss eine kurze Zugfahrt. In Degersheim angekommen, entschied ich mich dann doch noch die letzten Meter zu Fuss zu gehen. So hatte ich dann doch noch knappe 90 Minuten zu gehen.

So, doch bevor wir uns nun auf den letzten Weg aufmachen, halten wir kurz Inne und vergessen einfach die ganze Woche. Wir stellen uns jetzt folgendes vor; ich habe eine fantastisch gelungene Wanderwoche hinter mir, ich habe diese grossen Worte die ich hier von mir gab genau so erfüllt und ich träume nicht nur von grossen Visionen, sondern setzte diese auch bei mir selber in Tat um.
Ich gebe euch noch kurz Zeit, um euch das vorzustellen.
Habt Ihrs? Gut. Dann lass uns jetzt die letzte Reise beginnen.

Der Rucksack auf dem Rücken, die Jacke über die Schulter geworfen erreiche ich die Anhöhe. Vor mir liegen bereits die letzten Häuser des Dorfes welches ich gerade durchquerte. Kurz drehe ich mich nochmals um und betrachte die mir gebotene Aussicht auf den Säntis. Grossartig. Nach einem kurzen Moment des Verweilens, schnappe ich noch einen grossen Atemzug dieser wunderbaren Frühlingsluft und drehe mich wieder der Sonne zu. Ich brauch nicht zweimal zu überlegen was jetzt noch besser werden könnte. Denn es war klar. Kurzerhand stellte ich meinen Rucksack ab, und machte mir die Schnürsenkel auf. Schlüpfte aus den Schuhen und spütre den harten Strassenbelag unter meinen Füssen. Ein kleiner Schritt nach Rechts und meine Zehen verschwanden im saftig grünen Gras. Ein Gefühl das ich schon seit mehr als einem halben Jahr vermisste. Unbeschreiblich!


Die lauwarme Abendluft regt die Frühlingsgefühle richtig an und ich lasse mich von ihr durch kurze Tagträume tragen. Leider habe ich in dieser Woche keine Prinzessin erobert, ansonsten wäre das der perfekte Tag gewesen, mit ihr nach Hause zu spazieren. Denn so stelle ich mir das immer vor, meiner Prinzessin mein Zuhause vorzustellen. So Grün, so frisch, so wunderschön.
Dafür wurde mir wieder einmal mehr bewusst; Gottes Schöpfung. Einfach nur Wow.

Zum Schluss noch:
Ich möchte mich bei euch herzlich entschuldigen, dass ich euch leider keine verrückten Geschichten aus einer echt abenteuerlichen Woche erzählen kann. Und dass ich leider meine ach-so-tollen Worte nicht umsetzten konnte. Aber Ich wünsche euch allen trotzdem einen wunderschönen Frühling. Lasst diese grossartige Zeit nicht an euch vorbeiziehen. Geht hinaus, geniesst die Abendsonne auf einer kleinen Bank oder macht mit eurer Prinzessin, eurem Prinzen einen gemütlichen Abendspaziergang durch diese gigantische Kulisse die uns der Frühling präsentiert.
Ein herzlichen Gruss und bis Bald. Adrian

Ah und für alle die sich nun gefragt haben, wo dieser Typ überhaupt wohnt, dass der soo lange zu Arbeit braucht. Hier habe ich ein Foto, das ich vor meiner Ankunft letzte Woche gemacht habe.
Aber falls IHR etwas Spannendes erlebt habt, dürft ihr das gerne in die Kommentare schreiben.

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