Am Anfang war das Wort


Bloß nicht meckern

05.04.2016 - Kind und Karriere ist mehr Erfüllung, als die Durchschnittsfrau verträgt. Man muss sich entscheiden. Gedanken auf mittendrin zu einem erfrischend ehrlichen Artikel.

Auf die Gefahr hin, etwas monothematisch daherzukommen, ein paar Gedanken zu einem Artikel, der kürzlich immerhin auf der Titelseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen ist:

Man kann nicht alles haben – Frau auch nicht

Dieser Kommentar zum Thema Kind und Karriere ist ungewöhnlich – sowohl von seiner Positionierung her (Titelseite FAZ – bisher kein Ort für Diskussionen um Mutterschaft und Berufstätigkeit!), als auch von seinem Ton (realistisch-sarkastisch, wie man eben wird, wenn man unmögliches möglich machen will) als auch von seinem Inhalt.

Geschrieben von einer (berufstätigen) Frau, die ihren Geschlechtsgenossinen vor allem eines zu sagen hat: Stellt Euch nicht so an. Beruf ist Erfüllung, Kinder haben ist es auch, und oft noch viel mehr. Beides zusammen ist mehr Erfüllung, als die meisten von uns vertragen.

Natürlich nerven die wohlmeinend-herablassenden Lobhudeleien für exzellent ausgebildete Frauen, die ein „Gewinn für jedes Unternehmen“ seien. Jede Frau, die etwas auf sich hält, zeigt doch jedem einen Vogel, der sie vor ihren ebenso gut ausgebildeten männlichen Kollegen in eine Chefetage holen will, weil sie zwei X-Chromosomen besitzt.

Natürlich nervt’s auch, dass man als Frau eigentlich schon bei der Entscheidung für ein Berufsfeld - also in einem Alter, in dem die meisten von uns das Thema Kinder bestenfalls theoretisch betrachten können - ernsthaft darüber nachdenken müsste, ob sich der eingeschlagenen Weg auch mit dem Wunsch nach Familie vereinbaren lässt.

Aber das Dilemma für uns Frauen liegt, wie die Autorin so herzerfrischend direkt auf den Punkt bringt, nicht in irgendwelchen paternalistischen Systemen oder männlichen Weltverschwörungen, sondern in der Tatsache, dass wir nun mal nicht alles haben können. Das ist eine Lebensrealität, der man sich spätestens in seinem Erwachsenenleben einmal stellen muss. Beides zu 100%, das schafft keine von uns. Entscheiden tut manchmal weh, aber gehört zum Leben. Und eine wohl überlegte Entscheidung dann auch durchzuhalten, ohne (über’s Grundlegende) zu meckern, ist von einer mündigen, reifen, selbstbewussten Frau eigentlich zu erwarten.

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