Am Anfang war das Wort


Liebe Maria (Teil 2)

08.12.2015 - Ein weiter Brief an Maria - über ungünstige Behördengänge und Geburtswehen auf dem Rücken eines Esels.

Liebe Maria,

Du bist bei uns zu Hause momentan tägliches Gesprächsthema. Vor allem, seit eine kleine Krippen-Version von Dir auf unserem Fensterbrett zusammen mit einem klapprigen Esel und einem mächtigen, laternentragenden Josef einer windschiefen Krippe entgegenwankt. Jeden Abend wirst Du von einem unserer Zwerge auf den Rücken des Esels gepackt und musst ein paar Schritte weiterzuckeln.

Ich muss immer wieder darüber nachdenken, wie diese Tage rund um die Geburt Deines Sohnes – und des Sohnes Gottes! – für Dich waren.

Zuerst einmal: Wenn mir mein Mann wenige Tage vor Geburtstermin eröffnet hätte, ich müsse eine mehrtägige Fußwanderung für einen staatlich angeordneten Behördenweg auf mich nehmen, wäre ich wohl in den Sitzstreik getreten. Wie war das für Dich? Laut Google Maps sind es gute 35 Stunden Fußweg – auf heutigen Straßen. Damals wird man wohl tagelang unterwegs gewesen sein, auf unwegsamem Gelände.

Den größten Teil dieses Weges hochschwanger auf dem knochigen Rücken eines Esels zu balancieren, kann auch kein Zuckerschlecken gewesen sein. Außerdem wirst Du zumindest während des letzten Teils der Strecke schon ordentliche Wehen gehabt haben, oder? Wie schwer muss es gewesen sein, die Nerven zu behalten, als ihr dann endlich in Bethlehem angekommen wart! Du wolltest Dich endlich irgendwo ausstrecken können, Du wusstest wahrscheinlich, dass Dein Kind kommt, aber es war einfach keine Unterkunft zu finden.

Bist Du nicht in Tränen ausgebrochen, als ihr in dem Stall angekommen wart und Dir klar wurde, dass Du Dein Kind im dreckigen Stroh, zwischen Ochs und Esel, zur Welt bringen musst? Ohne Hebamme, ohne eine erfahrene Mutter, sondern nur mit Hilfe eines wahrscheinlich auch erschöpften und in Geburtsdingen heillos überforderten Josef? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Dein Gesicht da auch so gütig gestrahlt hat wie das unserer Krippenfigur...

Wie behält man das Vertrauen? Dir muss zutiefst bewusst gewesen sein, dass Du, mit Deinem ganzen Wesen, Deinem schmerzenden Körper und den unglücklichen Umständen im Dienst einer größeren Sache stehst. Der größten Sache überhaupt – der Erlösung der Welt.

Ich bewundere Deine Demut und Deine Opferbereitschaft.

Ich schreibe Dir bald wieder.
Grüß’ Deine Familie!
Deine Magdalena

Kommentare