Am Anfang war das Wort


Mamipedia

25.02.2016 - Mütter müssen am Anfang so einiges lernen. Auch, dass Wörter ihre Bedeutung ändern. Ein erster Versuch einer Vokabelsammlung.

Wenn man Mutter wird, verändert sich vieles. Der Tagesablauf. Der Schlafrhythmus. Die Einkaufsgewohnheiten.
Auf die meisten dieser Dinge kann man sich vorbereiten. Die intellektuelle Mami liest ein entsprechendes Fachbuch. Die soziale Mami besucht einen Kurs.

Dass die Umstellung auf das Muttersein allerdings auch eine sprachliche Dimension hat, war mir anfangs nicht klar. Viele Begriffe bekommen eine vollkommen neue Bedeutung, und scheinbare Nebensächlichkeiten eine neue Dimension.

Ein solches Wörterbuch für Eltern habe ich bisher vergeblich gesucht. Hier daher ein erster Versuch einer Vokabelsammlung.

Stille. Der Alltag mit Kindern ist laut. Immer gibt es Geschrei, Gelächter, Gekreische, Getrommel, Gestampfe oder ohrenbetäubende Klänge vom pädagogisch wertvollen Musikspielzeug. Und diese Kinderlieder-CDs!! (Wenn man mich fragt (tut man aber nicht), sollten manche dieser preisgekrönten Songschreiber wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung zur Fahndung ausgeschrieben werden.) Trotzdem ist Stille nicht himmlisch, entspannend, belebend, wie sie es einmal war. Sie ist vor allem eins: verdächtig. Wenn sich im Kinderzimmer einträchtige Ruhe ausbreitet, ist so gut wie immer irgendeine Sauerei im Entstehen.

„Gute Nacht“. Früher eine höfliche Floskel, die mehr oder weniger aus Gewohnheit vor dem Schlafengehen ausgetauscht wurde. Heute ein durchaus ernst gemeinter Wunsch, der je nach Alter und Schlafgewohnheiten der Kinder mit mehr oder weniger Nachdruck versehen wird. Auch Halbsätze aus Kindergebeten wie „...und lass uns ruhig schlafen“ gewinnen plötzlich deutlich an Inbrunst – zumindest von Seiten der Eltern. Ganz zu schweigen von der Frage „Hast Du gut geschlafen?“, die man – ehrlich gesagt – meistens einfach am liebsten gar nicht mehr beantworten will. Menschen, die darauf selbstverständlich mit einem gut gelaunten „Ja, bestens“ antworten, mag ich plötzlich nicht mehr so gerne.

Allein sein. „Sie werden nie wieder auf die gleiche Art allein sein, wie Sie es jetzt sind. Selbst wenn Sie allein sind, sind Sie es nicht wirklich.“ Dieser Satz meiner Frauenärztin vor der Geburt des kleinen Matrosen ist mir in Erinnerung geblieben. In einem Alltag, wo man pausenlos Kinderhändchen, Kinderwagen und unzählige Taschen an sich hängen hat, kommt man sich vor wie amputiert, wenn man – oh höchster aller Genüsse – einmal ALLEINE in den Supermarkt geht und genüsslich fünf Minuten vor dem Joghurtregal verbringt. Ganz ohne Diskussionen über Schokopudding oder die Fruchtzwerge mit den Disney-Aufklebern. Aber mit dem seltsamen Gefühl, dass etwas Wichtiges fehlt.

Zeitumstellung. Vor der Geburt unserer Kinder ein Grund zur Freude über eine Extra-Stunde Schlaf. Seither – naja, der Vorhof zur Hölle. Kinder, die üblicherweise um 6 Uhr den Tag beginnen, sind plötzlich um 5 Uhr hellwach und bereit zu allen Schandtaten. Dafür kippen sie abends in der Badewanne vor Schläfrigkeit fast in die ph-neutralen Schaumberge. Und wenn die Sommerzeit wiederkommt, ist es umgekehrt. Wer sich die Sache mit der Zeitumstellung ausgedacht hat, ist entweder Sadist, oder wollte sich eine Bußübung ausdenken – speziell für Eltern.

Fortsetzung folgt.
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