Am Anfang war das Wort


Mut zur Wahrheit

23.01.2016 - Magdalena macht sich auf mittendrin ein paar Gedanken zur Wahrheit, inspiriert durch die Kölner Silvesternacht.

Das neue Jahr hat begonnen, mit Getöse, wenn man das so sagen will.

Auf Jungeltern-Art haben sich bei uns die Festivitäten auf ein Kinder-Feuerwerk kurz nach dem Dunkelwerden und ein Gläschen Sekt um Mitternacht beschränkt, nur um zehn Minuten später erleichtert ins Bett zu fallen. Mit mehr als fünf Stunden Schlaf ins neue Jahr – ein Traum.

Andernorts hat das neue Jahr weitaus unerfreulicher begonnen.

Was in der letzten Nacht des Jahres auf dem Kölner Domplatz geschehen ist, ist schockierend. Dass man als Frau in alkoholseligen Nächten öfter einmal Männern begegnet, die nicht wissen, wie man sich benimmt, ist nicht neu. Dass sexuelle und kriminelle Übergriffe in derartiger Form und Anzahl passiert sind, ist es – zumindest in unseren Breiten – dagegen schon.

Wie reagierten die Verantwortlichen von Stadtregierung und Polizei?

Im ersten Polizeibericht ist von „friedlichen“ Feierlichkeiten die Rede. 94 Platzverweise seien im gesamten Stadtgebiet ausgesprochen worden, 20 Anzeigen wegen Sachbeschädigung und 80 wegen Körperverletzung seien eingegangen (ein „leichter Anstieg“ gegenüber den 78 im Vorjahr).

Die Vorfälle auf dem Domplatz werden nur am Rande als „ungeplante Feierpause“ auf Grund einer „drohenden Massenpanik durch Zünden pyrotechnischer Munition“ erwähnt, auf die die Beamten mit einer „kurzfristigen Räumung“ reagiert hätten.

Fünf Tage später nimmt Polizeipräsident Albers im Rahmen einer Pressekonferenzden ersten Bericht als „falsch“ und „nicht in Ordnung“ zurück. Inzwischen sind 90 Anzeigen eingegangen, darunter eine wegen Vergewaltigung. Über die Täter hätte man keine Informationen, so Oberbürgermeisterin Reker. Darauf, dass es sich um Flüchtlinge handle, gebe es „keinen Hinweis“.

Doch es geht munter weiter mit der Salamitaktik. Die Zahlen steigen kontinuierlich an, laut eines Berichts der inzwischen gegründeten „Ermittlungsgruppe Neujahr“ vom 18. Januar zeigt sich das Ergebnis der „ungeplanten Feierpause“ am Domplatz in inzwischen 776 Strafanzeigen, davon 381 – ziemlich genau die Hälfte – auf Grund von Sexualdelikten. An Hand der bei der Personenkontrolle vorgewiesenen Dokumente sei festzustellen gewesen, dass es sich großteils um Asylsuchende und Personen ohne Aufenthaltsberechtigung aus Nordafrika und dem arabischen Raum handle. Vierunddreißig Tatverdächtige sind identifiziert.

Waren Polizeispitze und Stadtregierung wirklich so schlecht informiert?

Da die genannten Zahlen aus dem Datensystem der Einsatzleitstelle stammen, ist nicht davon auszugehen. Vielmehr ging es, wenn man Berichten von eingesetzten Beamten glaubt, um Angst vor Imageverlust. Berichte über eine gezielte Aktion männlicher, arabischstämmiger Asylbewerber hätten entweder die nach Leibeskräften aufrechterhaltene deutsche Willkommenskultur gekippt, oder aber die Polizei wegen „Pauschalverurteilung“ unter Beschuss gebracht.

Meine Bilanz der Silvesternacht: Ihre Darstellung in der Öffentlichkeit ist nur eines von vielen Indizien dafür, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland – und, ich wage zu behaupten, generell in unserem so freiheitsliebenden Westen - sich in einer massiven Schieflage befindet. Wem Ruf und Karriere lieb sind, muss zu gewissen Dingen schweigen – und die Schwarze Liste der verbotenen Themen wird zusehends länger.

Es ist klar, dass die Zuwanderungswelle unsere Gesellschaft verändern wird – auch kulturell. In den nächsten Jahren werden wir uns mit religiösen und gesellschaftlichen Werten vertraut machen müssen, die sich von unseren stark unterscheiden. Wir werden mit Menschen zu tun haben, die sich in einer für sie vollkommen fremden Welt zurechtfinden müssen und sich mit der Aufgabe konfrontiert sehen, das europäische, christlich geprägte Gedankengut von Grund auf kennenzulernen. Ein beidseitiger Kulturschock wird nicht zu verhindern sein.

Wenn wir wirklich lernen wollen, zusammen- und nicht nur nebeneinander zu leben, müssen wir Europäer vor allem eines neu lernen: Die Dinge beim Namen zu nennen, die ungeschminkte Wahrheit zu sagen, ohne Angst vor Gegenwind. Nur wenn die Freiheit, um derentwillen so viele ihr altes Leben zurücklassen und sich auf den Weg zu uns machen, sich auch in der Art und Weise niederschlägt, wie wir Wahrheiten ansprechen, können Pauschalurteile verhindert und wirklich sinnvolle Lösungsansätze gefunden werden.

Ein Schweigen und Verschweigen aus falscher Toleranz und fehlgeleiteter Rücksicht wird den Prozess nur unnötig bremsen.

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