Am Anfang war das Wort


Revolution der Hausfrauen

15.03.2016 - Warum klingt die Berufsbezeichnung "Hausfrau" immer mehr nach Lückenbüßer als nach einem ehrbaren Beruf? Magdalena und ein paar andere Hausfrauen machen sich Gedanken dazu.

Ich habe heute etwas gelernt.

Ich bin eine Revolutionärin.

Als ich den Begriff im Duden nachschlage, werde ich mir der unerhörten Tragweite meiner neuen Selbstdefinition bewusst. „Jemand, der an einer Revolution beteiligt ist oder auf eine Revolution hinarbeitet.“ Von Karl Marx ist die Rede. Bei den Synonymen werde ich allerdings stutzig: Aufrührer, Meuterer, Partisan, Putschist, Terrorist? Moment mal. Schrittmacher, Vorreiter, Wegbereiter, Pionier? Schon besser!

Aber von vorne. In einem lesenswerten Interview bezeichnet sich Alina Bronsky, Lebensgefährtin des Schauspielers Ulrich Noethen, Mutter von vier Kindern und neuerdings Bestsellerautorin, als „schreibende Hausfrau“. Sie tue das bewusst, sagt sie, denn sich heutzutage Hausfrau zu nennen, habe schon beinahe etwas Revolutionäres. Es sei nicht verdreht und ein Zeichen der Unterdrückung, sondern natürlich, dass einer Frau Kinder und Familie an erste Stelle setze.

„Die Mutterschaft ist kein Verrat an der Sache der Frauen. Mütter dürfen ihre Kinder lieben und auch unheimlich wichtig finden. Das ist normal und gesund.”

Ich muss sagen: Obwohl ich das im Grunde genauso sehe, stutze ich nach bald vier Jahren noch jedes Mal, wenn ich in einem Formular meine Berufsbezeichnung ausfüllen muss. “Hausfrau und Mutter”, schreibe ich da meistens. Das “Mutter” ist mir wichtig, denn es bezeichnet meinen eigentlichen Job. “Ehefrau” sollte da eigentlich noch stehen.

Trotzdem habe ich jedes Mal, wenn ich das Wort “Hausfrau” schreibe, insgeheim das Gefühl, es klinge mehr nach Lückenbüßer als nach Berufsbezeichnung.

Warum ist das so?

Es nur auf den gesellschaftlichen Druck zu schieben, macht es zu einfach. (Obwohl Helena v. Hutten, selbst dreifache Mutter und überzeugte Hausfrau, davon ein Liedchen singen kann und das auch sehr eloquent tut!)

Mich stört die Verkürzung auf die Haushaltstätigkeiten, die so wenig von dem ausdrücken, was mich ausmacht.

Ich war noch nie die strahlende, frisch geschminkte Perfektionistin mit der gestärkten Kittelschürze. Das, was heute unser mehr oder weniger notdürftig geordnetes Zuhause ist, hat einen langen, steinigen Weg zurückgelegt von tagelang ungespültem Geschirr, Wäschebergen und unbezahlten Rechnungen zu einem “Büro”, das ich halbwegs unter Kontrolle habe. Ich bin zufrieden, wenn mein Mann abends in ein von Schaumbadresten, nassen Handtüchern und Kinderkleidern übersätes Badezimmer hineinschaut und ich ihm mit wirrem Haar, löchrigen Socken und Nasser Jeans ein freundliches Lächeln zuwerfen kann. Wenn dann auch noch mehr als Wurst und trockenes Brot zum Abendessen da ist und die Kraft zu gepflegter Konversation reicht, ist es ein guter Tag.

Der Haushalt ist alles andere als eine Berufung für mich, aber er gehört nun einmal zu einem schönen und gemütlichen Zuhause, und meiner Familie das zu bieten, sehe ich als einen wichtigen Teil meiner Aufgabe an.

Natürlich habe ich auch schon den ein oder anderen schiefen Blick geerntet, wenn im Gespräch herauskam, dass ich “nicht arbeite”. Wobei mir schleierhaft ist, woher die Annahme stammt, unsereiner würde nicht arbeiten: Köchin, Putzfrau, Erzieherin, Krankenschwester, Psychologin, Einkäuferin und überhaupt – Managerin eines kleinen Familienunternehmens mit Budget, Deadlines und ziemlich unberechenbaren Mitarbeiten. Ist das keine Arbeit? Wenn wir Leute für all das bezahlen müssten, bräuchten wir beide Top-Jobs und hätten viel zu wenig Zeit für unsere Kinder.

Ich stelle aber fest, dass ich selbst umdenken muss. Das Image der modernen Frau ist das einer Überfliegerin mit Top-Ausbildung, Traumjob und finanzieller Unabhängigkeit. Dazu passt das Bild einer Frau, die ihre Ausbildung und Karriere hintanstellt und sich in den Dienst ihrer Familie stellt, so gar nicht. Aber eins wird mir bewusst: Wenn ich meine Arbeit nicht mache, muss sie ein anderer für mich tun. Oder drei andere, in sozial verträglichen 8-Stunden-Schichten. Und ich glaube nun einmal, dass es beim Kinder erziehen und Zuhause-Bauen nicht auf die Qualifikation ankommt, sondern auf’s Herz. Und wer ist da besser geeignet als die Person, die die Menschen, für die sie da ist, zutiefst liebt?

Das nächste Mal, wenn ich wieder ein Formular ausfüllen muss, weiß ich schon, was ich schreibe. Mutter und Hausfrau. Und Revolutionärin.

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