Am Anfang war das Wort


Eine Explosion des Lebens

03.05.2016 - Es war für mich eine ziemlich anstrengende Zeit. Wir standen gerade voll in der Anfangsphase unseres Jugendprojektes La Verna in Maria Enzersdorf. Erste Überlegungen und Versuche, wie wir die jungen Menschen ansprechen und erreichen können… Viel Aufbauarbeit in einer kurzen Zeit. Ich hatte Urlaub wirklich nötig...

Da war jedoch etwas… Ja richtig, ich hatte einem Bruder versprochen, mit ihm zum Adoray-Festival zu fahren. Schweren Herzens habe ich auf drei Tage meines viel zu kurzen Urlaubs verzichten müssen. Ohne große Freude fuhr ich nach Zug. Was sollte mich da schon erwarten? Noch ein Festival, von denen ich schon so viele kenne… Da hatte ich mich echt getäuscht!

Als ich angekommen bin, konnte ich die Begeisterung der jungen Christinnen und Christen wirklich spüren. Es war für mich zwar eine kleine sprachliche Herausforderung, aber es war doch einfacher als ich gedacht hatte.
Mitten in diesem Fest konnte ich ein Zeugnis von einem jungen Ehepaar aus Italien hören: Christiana und Simone. Was sie erzählt haben, war einfach erschütternd, schön, unglaublich, weltverändernd…
Sie erzählten von einen jungen Italienerin, von Chiara Corbella-Petrillo. Ihre Lebensgeschichte war ein wenig außergewöhnlich, aber nicht wirklich anders als die Geschichten vieler anderer. Was einzigartig war? Sie hat tatsächlich gelebt! So einer Frau bin ich noch nie in meinem Leben begegnet.

Wie das Leben vieler war auch ihres von Freude, Leid und viel Unsicherheit geprägt. Was mich gleich hellhörig gemacht hat, war dass sie mit ihrem Mann auch von meinen Mitbrüdern in Assisi geistlich begleitet wurde. So eine Arbeit versuchen wir auch in Österreich aufzubauen! Sie hatte meine volle Aufmerksamkeit.
Was ich dann hörte, veränderte mein Leben grundlegend. Das ist nicht nur so dahingeschrieben – es stimmt wirklich!

Was mich zutiefst berührt und erschüttert hat war, dass sie ihr Leben mit Gott vollendet hat. Der Weg zu ihrem Mann Enrico, die schwere und freudige Zeit mit ihren Kindern und ihre Haltung während des Sterbens waren etwas, dass mein Herz verändert hat. Das Wichtigste aber war zu sehen, dass sie ihr Leben wirklich vollendet hat.
Wie ich das meine? Ich habe gesehen, dass sie und ihre Familie am Tag ihres Begräbnisses wirklich fertig – vollendet – waren. Da gab es nichts mehr, was es noch zu sagen gegeben hätte, alles war in Ordnung, alles gepasst.
Ich kann das nur schwer beschreiben. Ich wusste auf der Rückfahrt nach Hause, dass mein Leben von jetzt an anders sein wird. Und mein Leben ist anders geworden. Ich habe mich entschlossen, keine halben Sachen mehr zu machen. Schluss mit Halbherzigkeit! Ich versuche seit diesem Tag, dass mein Herz ganz Gott gehört. Es gelingt mir kaum, aber ich weiß wo ich hinkommen will. Ich weiß, wo ich am Tag meines Todes sein will: In Seinen Händen.

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