Am Anfang war das Wort


Unaufgeregt in Međugorje

14.02.2017 - Vor einiger Zeit habe ich den Film „Mary’s Land“ gesehen. Eigentlich mag ich solche Filme nicht. Und es gab auch Vieles, was mich in der Art störte. Es war aber unwichtig für mich. Ich wollte mir den Film anschauen, weil er von Međugorje handelte. Die Zeugnisse der interviewten Menschen waren erfrischend und wirklich überzeugend. Wie dem auch sei, nach dem Abspann habe ich beschlossen, dass ich nach Međugorje fahren werde. Ich war noch niemals dort...

Es fügte sich, dass wir in unserem Zentrum La Verna auch eine Fahrt zu dem besonderen Ort in Bosnien und Herzegovina anboten. Alles war geplant: der Ablauf der Reise, das Hotel gebucht und eigentlich gab es keine Zweifel mehr. In der Woche der Abreise überkam mich ein wohlbekanntes Gefühl: Ich hatte plötzlich keine Lust mehr, nach Međugorje zu fahren. Ich kann keinen Grund dafür nennen – es ist manchmal so, dass man sich auf etwas richtig freut und dann kommt was dazwischen und man will nicht mehr. So war es auch bei mir.
Irgendwie habe ich mich dazu gezwungen, meine Sachen doch zu packen. Ich war wirklich unruhig und hatte keine Lust auf diese ganze Reise.

Am Tag vor der Abreise hat mir eine alte Freundin eine WhatsApp-Nachricht geschickt: Sie hat Krebs und ist völlig am Boden zerstört. Da war ich baff. Sie ist nur einige Jahre älter als ich… Sie hatte panische Angst, als sie die Diagnose bekam.
Wir haben nicht so viel Kontakt. Alle paar Monate schreiben wir uns etwas oder telefonieren miteinander. Und dann einen Tag vor der Abreise nach Međugorje so eine Nachricht. In diesem Moment, als ich diese Nachricht las, wusste ich, warum ich diese Reise machen soll.

Ich war sehr überrascht, als wir in Međugorje angekommen sind. Es waren wenig Menschen dort – im Januar ist dort nicht viel los. Das hat mir sehr gefallen. Menschenmassen sind etwas, das ich aus Prinzip zu meiden versuche. Die Schlichtheit des Ortes hat mich überwältigt. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man denken, dass dort einfach eine lebendige Pfarrei ist und nicht ein weltbekannter Marienwallfahrtsort. Auch die Franziskaner, die dort sind, machen kein großes Tamtam um das Ganze. Solide Seelsorge – so könnte man es kurz beschreiben.
Die Umgebung ist auch nicht besonders. Ich habe mir gedacht: Was für ein karges Land! Nur Steine und Sträucher; hier und dort einige Schafe und Ziegen… Da gibt es wirklich nichts Aufsehenerregendes. Der Erscheinungsberg – ein großer Haufen Steine. Der Kreuzberg – ist als Pilgerstätte älter als die Erscheinungen – nur Steine… Nicht einmal die Pfarrkirche in Međugorje ist etwas Besonderes. Im Seitenschiff, eine einfache Marienstatue mit ein bisschen kitschiger Dekoration… Nicht einmal die Gottesdienste waren besonders. Das Rosenkranzgebet – fast immer auf Kroatisch – war ein unglaubliches Durcheinander von verschiedenen Sprachen. Man musste sich echt konzentrieren, damit man irgendwie beim Beten mitkommen konnte. Ich habe mir das ein bisschen anders vorgestellt…
Alles war so unaufgeregt und einfach. So wurde auch mein Gebet in diesen Tagen: schlicht und einfach. Ich wusste, dass ich für meine krebskranke Freundin beten soll. Ich betete für sie und für viele andere, die ich liebe – meine Freunde und Familie. Das war eine gute Zeit.

Ich denke mir, dass man heutzutage manchmal so sehr darum bemüht ist, dass beim Beten so Vieles passt. Der Raum muss schön sein. Ich muss mich auf das Gebet vorbereiten. Das Beten selbst soll aufmerksam und bewusst geschehen. Und, und, und…
Versteht mich nicht falsch: Das alles ist wichtig! Aber zum Beten braucht man nur eines: Zeit, die man sich dafür nimmt. Mehr braucht es wirklich nicht. Gründe für das Gebet gibt es genug. Und jetzt die tolle Nachricht: Zeit gibt es auch genug! Das durfte ich in Međugorje erfahren – dass Gott mir die Zeit schenkt. Es braucht nur, es zu sehen: diese Fülle an Zeit, die Gott mir und dir schenkt. Du darfst anfangen zu beten – jetzt!

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