Am Anfang war das Wort


Ungestillte Sehnsucht

06.12.2016 - Als ich bei der letzten MEHR-Konferenz erfuhr, dass das Gebetshaus Priesterexerzitien anbieten wird, war ich elektrisiert. Ich wusste, dass ich hinfahren sollte. Nur ich wusste nicht warum.

Mir war klar, dass das Gebetshaus eine fast magische Anziehungskraft auf mich ausübt – warum ist mir aber schleierhaft. Lobpreis, Lehre, die Lebensweise – das war das Offensichtliche. Aber dahinter steckte viel mehr…
Schon auf dem Weg nach Hause habe ich mit einem Mitbruder aus meiner Hausgemeinschaft kurz darüber gesprochen, dass es toll wäre, Exerzitien in Augsburg zu machen. Ich war mit meiner Begeisterung nicht alleine. Zuhause, in Maria Enzersdorf, habe ich den Brüdern vorgeschlagen, unsere gemeinsamen Exerzitien 2016 im Gebetshaus Augsburg zu machen. Da wir jedes Jahr versuchen, als Hausgemeinschaft Exerzitien gemeinsam zu machen und der Termin für alle günstig war, haben wir uns kurzerhand für den MEHRblick entschieden.
Mein Sommer und Herbst waren sehr intensiv. Mehrere Fahrten mit Jugendlichen, sowie etliche Festivals standen auf dem Programm. Es war eine wirklich schöne Zeit – aber eine Zeit für andere. So habe ich mich wirklich darauf gefreut, viel Zeit für mich zu haben – fünf Tage ohne all das, was meinen Alltag ausmacht. Im Nachhinein muss ich mir gestehen, dass ich mich sehr getäuscht habe. Es ist anders geworden, als ich es geplant hatte. In diesen fünf Tagen in Augsburg hatte ich wenig Zeit für mich…

Auf dem Weg nach Augsburg habe ich mich schon gefragt, wie diese Exerzitien sein werden. Ich habe es mir vorzustellen versucht… Ich wusste schon, dass es Lobpreis und Lehre geben würde. Das war aber alles an Sicherheiten, die ich hatte.

Das Exerzitienhaus in Leitershofen ist wie viele andere Häuser dieser Art: zweckmäßig und nicht besonders schön. Ich weiß: Schönheit liegt im Auge des Betrachters… Dieser Satz hat sich aber in den folgenden Tagen als irreführend herausgestellt. Schönheit liegt eben nicht im Auge des Betrachters – Schönheit kommt von Gott. Das ist eine der Erkenntnisse, die ich beim MEHRblick gewonnen habe. Eigentlich nichts Neues – ich habe es schon bei den Vorlesungen während meines Studiums gehört (Scholastik) – und doch konnte ich diese Wahrheit aufs Neue entdecken.

Die Tage waren von einem einfachen Rhythmus geprägt: Lobpreis – Lehre – Messe – Lehre – Stundengebet. Ich muss gestehen, dass der Lobpreis selbst das Wichtigste war. Das war es, womit ich meinen Tag so richtig begonnen habe. Naja, es gab zwar immer vorher noch die Laudes und das Frühstück, aber da bin ich noch nicht wirklich wach gewesen… Der Lobpreis war für mich der Beginn des Tages. Da gab es zwei Sachen, die mich wirklich in die Gegenwart Gottes geleitet haben: die Musik und die Menschen.

Die Lobpreismusik machte es mir wirklich einfach vor Gott zu stehen. Die Lieder waren zwar nicht meine erste Wahl – aber bei 90 Priestern, die nicht alle etwas mit Lobpreismusik anfangen können, habe ich mich nicht gewundert. Alte Lieder sind auch schön… Aber die Musik alleine wäre nichts ohne die Musiker. Eigentlich stimmt es nicht, es waren nicht einfach Musiker – es waren Max, Veronika, Sebastian, Elke, Anton und viele andere, die mit uns Gott angebetet haben. Es waren Anbeter! Und das war es, was mir wirklich gutgetan hat: Gott mit anderen Anbetern anzubeten.

Die Lehre mit Johannes Hartl war ernüchternd, zerschmetternd, offenbarend und schön. Da hat es mich schon durchgeschüttelt. Gott hat mir in einfachen Worten gezeigt, dass ich dazu berufen bin, Ihm mit meinem ganzen Leben nachzufolgen. Nur Sein Reich zählt – alles andere ist unwichtig! Klingt ein bisschen abgehoben, ist es aber gar nicht. Es ist die Erinnerung an mein Versprechen, dass ich vor vielen Jahren in meinen ewigen Gelübden gemacht habe – Ihm ganz zu gehören. Gott hat mich in diesen Tagen an dieses Versprechen erinnert. Das war schmerzhaft, aber auch belebend. Ich weiß, wem ich gehöre. Ich weiß, welches Reich ich bewohnen möchte – das Reich Gottes!
Die größte Enttäuschung war für mich die Hauskapelle in Leitershofen. Es ist nicht so wichtig warum – aber der Raum war für mich persönlich nicht gut. Ich konnte dort die Schönheit Gottes nicht sehen. So habe ich beschlossen, täglich in das Gebetshaus zu fahren, um dort Gott Zeit zu geben.

Ich muss gestehen, dass diese Zeit im Gebetsraum in der Pilsenerstr. 6, die wichtigste Zeit dieser Exerzitien war. Dort vor Ihm zu sein, war das, was der Sehnsucht meines Herzens entspricht. Das ganze Gebetshaus machte es mir einfach – ein Haus für den Herrn, in dem man sich wohlfühlt. Alles in diesen Räumen ist schön, stimmig durchbetet… Dort zu sein fruchtete. Meine Sehnsucht nach Gott wurde nicht gestillt, sie wurde nur größer – viel größer! Und das ist das Beste, was mir passieren konnte: Meine Sehnsucht nach Gott ist erwacht – aufs Neue!
Nach den Tagen des MEHRblicks weiß ich eines: Diese Sehnsucht nach mehr, kann nur Gott stillen. Und ich weiß auch, wie ich es Gott einfacher machen kann, dass er mein Herz erobert: Keine Kompromisse mehr! Nur Er und sein Reich!

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